Stillstand und Bewegung

Hallo,

 

die letzten Monate habe ich mich auf Social Media sehr ruhig verhalten.

Doch dieses Mal war es eine ganz andere Art von Stille, als ich sie kenne.

Das hatte zum einen damit zu tun, dass ich mit einem Projekt beschäftigt war, zum anderen habe ich viel Zeit für mich und meinen Weg genommen.

Das letzte Jahr schienen scheinbar alle erfolgreicher, schneller und effizienter voranzukommen. Nur ich blieb stets mit meinem inneren Prozess an Ort und Stelle. ( haha, zumindest meinte ich das )

Immer wieder erzählen mir Menschen ganz wilde Geschichten, die sich dann auch irgendwie lösten. Manchmal dachte ich dann: Bei denen passiert so viel, und ich?!

 

Doch nach Silvester habe ich einmal zurückgeschaut, und war so berührt und dankbar, was sich alles getan hatte - in meinem Innern. Und ja, auch im Außen ist mein Leben etwas bunter, verspielter, harmonischer und lebendiger geworden.

 

 

Da war ich auf einmal so begeistert!

Ich hatte die Möglichkeit ohne Drama, ohne viel Stress im Außen, ganz ruhig und beständig meinen inneren Schrank aufzuräumen.

 

Vor einigen Jahren war ich ein sehr stiller, zurückhaltender, schüchterner Mensch.

Vor Leuten etwas zu sagen machte mir Angst, besonders wenn es mein Eigenes war, dass ich da ausdrücken wollte.

Meine Wünsche, meine Meinung, meine Bedürfnisse. Zu groß war die Angst vor Ablehnung.

Ich flüchtete mich oft in meine Stille.

Es war als ob der fließende Fluss meiner Freude nach und nach eingefroren wäre, und immer mehr starres Eis anstelle des fließenden Bachs Platz fand.

Und als ich das bemerkte, war ich auf einmal ziemlich traurig.

Diese Stille war zwar ein sicherer Ort, doch gleichzeitig wurde sie zu einem Gefängnis.

Auch mein Körper wurde immer stiller, taub und ich fühlte ihn oft gar nicht so richtig.

In dem Film "Das Leben ist schön" gibt es ein Zitat, das hier sehr gut passt: "Der lauteste Schrei ist das Schweigen."

 

Ich wollte mich befreien.

Zaghaft habe ich anfangs begonnen, das Gefängnis meiner Stille zu verlassen. Wortweise.

Stück für Stück. Mal elegant und gekonnt, mal total verkorkst und hysterisch.

Doch mit jedem freien Wort, dass ich sagen konnte, wurde es mir leichter ums Herz.

Ich spürte wie das Eis zu schmelzen begann.

Mit jeder Angst, die gegen den mutigen Kern in mir verlor, wurde das Bächlein in mir lebendiger und floss wieder.

 

Letzten Sommer war der Bach in meinem Innern zu einem richtigen Fluss angeschwollen.

Ich hüpfte durch die Gegend, löste eine Blockade nach der anderen und fühlte mich wuderbar lebendig.

Trotzdem stellte ich fest, dass es da immer wieder so einen richtigen Staudamm gab, der den ganzen Fluss aus dem Gleichgewicht brachte. Das wollte ich mir genauer ansehen.

Also zog ich mich zurück, und wenn mich Menschen fragten : Was gibts Neues?

Konnte ich nur "nicht viel" oder " ich weiß es nicht" sagen.

Ohne großes Drama durfte ich die Stolpersteine "fühlen", sie durch meinen Körper durchfließen lassen.

Anfangs war das oft ganz schön unangenehm. Denn die unangenehmen Gefühle halten wir ganz hinten versteckt und tun so als ob sie gar nicht da wären ;-) Ich bin so dankbar für diese Chance, und würde am liebsten der ganzel Welt tägliche Sessel-Zeit empfehlen :-D

 

Doch danach stellte sich etwas ein, dass mich vom Hocker ( in meinem Fall Sessel ) gehauen hat: STILLE

 

Keine gefrorene, angespannte und erstarrte Stille. Keine Stille, die all ihre Facetten versteckt.

Keine Stille, die mit Lebensangst gespickt war.

Nein, es war eine Art von Stille, die ich bisher nicht kannte, oder die mir sehr sehr lange abhanden gekommen war:

eine Stille so ruhig, voll Frieden und Sicherheit.

 

Ich glaube, im Jahr 2018 wird es immer wichtiger, diese Gelassenheit und innere Ruhe zu finden.

Als ich neulich eine Freundin fragte, was sie sich zum Geburtstag wünscht, meinte sie : Langeweile.

Das kann ich verstehen.

Doch ich habe das Gefühl, das wird nicht wirklich was.

So rasch kommen wir in Situationen, um unsere Baustellen zu bearbeiten,

werden aufgefordert "JA" zum Leben zu sagen und uns zu entscheiden, welchen Weg wir wählen wollen.

Langeweile ist da nicht mehr drin.

Dafür können wir uns für inneren Frieden, Gelassenheit und Ruhe entscheiden.

Jedes Mal, wenn wir uns Zeit für uns selbst und unseren Körper nehmen, und uns etwas Gutes tun.

 

Das war es erst Mal von mir und von meiner absolut langweiligen und doch so fantastischen Abwesenheit ;-)

Ist doch etwas länger geworden als geplant. Danke fürs zu Ende lesen, falls Du noch dabei bist :-)

 

Was mich sehr interessieren würde:

Wie geht es dir mit der momentanen Zeitqualität?

Hast Du auch das Gefühl dass die Zeit sehr schnell vergeht und uns immer wieder herausfordernde Situationen schenkt, an denen wir wachsen sollen?

Nimmst Du dir Auszeiten?

 

Ich schicke dir ganz liebe Grüße und bis bald!

 

Henrike