Der Schweinehund und der Tyrann

Zwei Größen waren in meinem Leben einst sehr präsent, welche mich ziemlich klein fühlen ließen.

Der Schweinehund und der Tyrann.

Wo ich diese Beiden aufgegabelt habe, kann ich mich gar nicht mehr so recht erinnern.

In meiner Schulzeit waren sie jedenfalls ständige Begleiter, sodass ich ganz vergessen hatte, dass es ein Leben ohne sie gab.

Der Schweinehund säuselte mir ins Ohr, das könnte ich ja später machen, aufgeschoben ist nicht aufgehoben...

Und vielleicht wäre es besser, es gar nicht zu machen, anstatt es nicht gut genug zu machen.

Der Tyrann war da ganz anderer Meinung: Disziplin war seine Devise.

Harte Arbeit, kein Vergnügen und möglichst wenig Pausen. Erfolg kommt schließlich nicht von selbst, beharrte er. Anstrengen musst du dich, egal ob du müde bist, keine Motivation hast oder es dir nicht so gut geht.

 

Leistung wir in unserer Gesellschaft ganz groß geschrieben.

Dagegen sind Freude, Erfüllung oder Wohlergehen winzige Fantasien, scheint es.

Wer etwas leistet, wird anerkannt. Wer viel arbeitet wird wertgeschätzt.

 

In meiner Schulzeit habe ich Klassenkameraden gehabt, die die ganze Nacht durchgelernt haben, um besser zu sein. ( Die Effektivität dieses Unterfangens mal ganz außer acht gelassen)

Egal, ob das gleiche Resultat auch mit viel weniger Zeit, Einsatz und Arbeit möglich gewesen wäre.

Pause machen wird als schwach gedeutet.

Regeneration als Faulheit.

 

 

 

Umgang mir dem Leistungsdruck

In einer Gesellschaft, in der Leistung an erster Stelle steht, entsteht automatisch sehr viel Druck, diesem Muster stand zu halten. Zwangsweise müssen wir einen Weg finden, mit diesem Leistungsdruck umzugehen.

Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Richtungen, die wir einschlagen.

Entweder bestimmt unser innerer Tyrann unsere Einstellung, oder der Schweinehund erkämpft sich das Feld und wir resignieren.

 

Egal welchem inneren Bestimmer wir folgen, unser Wohlergehen leidet unter dieser Diktatur.

Wir erreichen nicht das, was wir wollen. Oder wir erreichen es, sind aber unglücklich und völlig ausgebrannt.

 

Der Mensch braucht Pausen, um seine Reserven wieder aufzufüllen.

Kreativität entsteht durch Entspannung. Gute Ideen kommen, wenn wir uns den nötigen Freiraum lassen.

 

Es ist genau wie im Sport.

Wir setzten einen Reiz, indem wir eine Bewegung machen und über unsere jetzige Kraft hinausgehen.

Nach dem Training sind wir kaputt und müde.

Wer nun auf seinen Körper hört, gönnt sich eine Pause.

Und genau diese Pause ermöglicht die Superkompensation, welche zu einer Leistungssteigerung führt.

Nach einer gewissen Zeit der Erholung fühlen wir uns wieder fit und energiegeladen, und genau an diesem Punkt wird es Zeit, den nächsten Reiz zu setzen.

Wer die Pause weglässt, verpasst die Chance, die eigene Kraft zu steigern. Im ungeschicktesten Fall schrumpft unsere Kraft, weil wir zu viel trainieren. Wie unerfreulich. Und genau so ist es auch in unerem Leben.

Der Tyrann befiehlt, gleich weiter zu machen mit dem Training, ohne Rücksicht auf Verluste, und verhindert somit unseren Erfolg.

Genauso wenig hilfreich ist der berühmte Schweinehund, der uns einflüstert, die Pause könne noch viel viel länger sein, und eigentlich haben wir ja auch gar keine Lust und können es ja ganz lassen. Damit verlieren wir unsere Kraft und verpassen den Moment, an dem es richtig gewesen wäre, das nächste Training zu beginnen.

 

Doch warum haben diese Beiden so viel Macht über uns??

 

 

 

Der ewig fordernde Tyrann

Menschen, die ihrem inneren Tyrann folgen, haben das Gefühl nicht genug zu leisten und nicht gut genug zu sein.

Ständige Anspannung und der Drang, mehr zu leisten, bestimmen das Leben.

Vielleicht haben wir die Erfahrung gemacht, nur gelobt und anerkannt zu werden, wenn wir Leistung bringen.

Über Leistung und Erfolge haben wir uns die Liebe und Zuneigung erhofft, nach der wir uns so sehr gesehnt haben.

 

Menschen, die eine ausgeprägten inneren Tyrann haben, fällt es schwer Nein zu sagen, sie haben das Gefühl nicht viel wert zu sein, wenn sie nichts leisten.

Oftmals bleibt der Spaß und die Lebensfreude auf der Strecke.

Es scheint so, als hätten wir es nicht verdient, Freude zu haben und das Leben zu genießen.

 

Ich habe bemerkt, dass die Schule meinen inneren Tyrann sehr wachsen ließ.

Der Druck, bessere Noten zu haben, den Abschluss gut zu schaffen, haben mein Leben sehr beeinträchtigt. Stundenlanges Lernen, scheinbar zu wenig Erfolg, ließen das Ganze so zäh und freudlos werden, das mein Leben deutlich an Farbe verlor. Die

Ausgelassenheit wich einem engen Käfig an Erwartungen an mich selbst.

 

Wer den inneren Tyrann einmal in sein Leben gelassen hat, der wird ihn schwer wieder los.

Durch bewusstes wahrnehmen von alten Mustern schaffen wir es, nach und nach die alten Strukturen zu lösen.

 

Oft schwindet die Freude, wenn wir uns vorstellen arbeiten zu müssen. Arbeiten ist mit wenig Spaß, Leistungsdruck und Erwartungen verbunden.

Manchmal sind wir schon morgens, wenn wir aufwachen motivations- und lustlos.

Was wird heute schon wieder von mir erwaret, ist unbewusst im Hinterkopf.

Eine Angst, nicht zu genügen, sitzt tief in unseren Knochen. Ganz verborgen und unbewusst beschleicht sie uns.

 

Ich habe meinen inneren Tyrann nach der Schulzeit oft im Sport wahrgenommen.

Wenn ich trainieren "musste", obwohl mir gar nicht danach war.

Ich war so hart und lieblos zu mir, ohne Rücksicht auf Verluste.

Und natürlich fühlte es sich gut an, wenn ich es geschafft hatte. Das Gefühl etwas geleistet zu haben, war belohnenswert.

So wird es ja auch beigebracht.

Andererseits fühlte ich mich schlecht, wenn ich mal nicht zum Sport ging.

Nur Leistung verdient Anerkennung. Am besten so viel wie möglich.

 

Doch irgendwann habe ich bemerkt, das mein Körper das gar nicht so sieht.

Mein Körper möchte verschiede Übungen machen, dann wann es ihm gut tut. Nicht dann, wann ich ihn zwinge, Leistung zu bringen.

Mein Körper möchte Pausen, er möchte Erholung und er möchte sich austoben, alles zu seiner Zeit.

So oft habe ich meinen Körper überhört, weil der Drang, sich über Leistung zu definieren so laut war.

 

Nach und nach habe ich dieses Muster gelöst, und mir ein neues Ideal geformt:

Das, was gut tut und den Körper unterstützt, das was gesund hält und Freude macht, ist lobenswert.

Ist das nicht eine schöne Vorstellung, sich zu loben, weil man einen Mittagsschlaf gemacht hat? ;-)

Doch genau das hilft uns, produktiver zu sein und ökonomischer zu arbeiten.

Selbstverantwortung und das Beachten der eigenen Bedürfnisse ist wichtig, um gesund und leistungsstärk zu bleiben.

 

Oftmals will der innere Tyrann mitreden, möchte mich unter Druck zur Arbeit zwingen, befiehlt jetzt sofort Sport zu machen, weil ich heute noch keinen gemacht habe.

Aber dann belehre ich ihn:

Ich brauche dich nicht mehr, um mich gut genug zu fühlen. Mittlerweile spüre ich, was mir gut tut und wieviel angemessen ist.

Das was sich gut anfühlt, bestimmt.

Ich habe mehr Kraft, mein Leben aktiv zu gestalten.

Ich habe mehr Freude und Energie.

 

 

Der ausbremsende Schweinehund

Eine andere Möglichkeit, dem Leistungsdruck gegenüberzutreten, ist zu resignieren und einfach gar nichts zu machen.

Der Schweinehund bestärkt uns, einfach nicht hinzugehen, uns nicht zum Lernen hinzusetzten oder bestimmte Dinge einfach zu lassen.

Menschen die sich vom inneren Schweinehund leiten lassen sind oft antriebslos, schieben Dinge auf und erreichen nur schwer ihre Ziele, wenn sie denn überhaupt welche haben.

Auch hier liegt der Grundstein darin, sich nicht gut genug zu fühlen.

Nach dem Motto: Wenn ich es eh nicht kann, versuche ich es auch nicht.

Ganz unbewusst resignieren wir.

Das Gefühl, nicht zu reichen und den Herausforderungen nicht gewachsen zu sein, ist tief verankert.

Ewiges Aufschieben, fehlende Motivation dem Leben gegenüber und scheinbare Faulheit sind hier an der Tagesordnung.

Wenn der Druck zu groß wird oder wir das Gefühl haben, nicht so angenommen zu werden, wie wir sind, suchen wir eine Möglichkeit damit umzugehen.

Der innere Schweinehund fühlt sich eingeladen, unser Leben zu beherrschen.

"Das kannst Du doch nicht. Dieses Ziel erreichst Du nie. Warum überhaupt anstrengen uns versuchen, wenn Du es eh nicht schaffst." Flüstert er ins Ohr.

Viele dieser Glaubenssätze haben sich von Kindesbeinen an in unserem Kopf verankert.

 

Der Schweinehund bietet einen Ausweg aus der Leistungsgesellschaft, mit dem großen Nachteil, niemals unsere Ziele zu erreichen und mit einem ständigen "Versagens-Gefühl" im Hinterkopf. Es fühlt sich schlecht an, all das nicht geschafft zu haben. Es fühlt sich so an, als wären wir ein Verlierer.

Wer dem inneren Schweinehund verfallen ist, meldet sich vielleicht im Fitnessstudio an, geht aber kaum hin.

Er beginnte zwar eine Ausbildung, bringt sie aber nie zu Ende.

Das Gefühl dahinter bleibt unangenehm.

Mal wieder etwas nicht geschafft.

 

Doch wie zeigen wir dem inneren Schweinehund die kalte Schulter?

 

Erst mal ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass unsere Leistung und nicht definiert. Wir sind nicht weniger wert oder schlechter, weil wir bestimmte Dinge nicht gemacht haben. Wir müssen nicht alles können.

Ein guter Weg ist es, die Freude zurück zu holen.

Wenn wir beginnen, Dinge zu machen, die gut tun und Spaß machen, fällt es viel leichter.

Nicht jeder muss beispielsweise joggen, vielleicht gefällt dir Pilates ja viel besser oder Rad fahren.

 

Und besonders wichtig ist das Lob, nachdem wir uns aufgerafft haben!! :-)

Belohn dich. Mach dir bewusst, dass du gerade etwas geschafft hast, auch wenn es klein und unbedeutend wirkt.

Du hast die Kraft, deine Ziele zu erreichen.

Löse deine inneren Blockaden, gib deinem Schweinehund immer weniger Angriffsfläche.

Wie Du das machst: Hab Spaß an den Dingen, die du tust. Mach sie dir so angenehm wie möglich.

Lerne an dich zu glauben. Entdecke, dass auch du Stärken hast. Dass auch du viele Dinge gut kannst.

Du bist wertvoll, du bist gut genug.

Pausen sind genauso wichtig, wie die Arbeit.

Leistung ist genauso wichtig, wie Freude und Ausgelassenheit.

 

Löse dich von den alten Glaubenssätzen wie:

Wenn etwas Spaß macht, ist es nichts wert.

Arbeit muss hart sein, um etwas wert zu sein.

Nur wenn ich Leistung bringe, bin ich wertvoll.

 

Das entdecken, was dich erfüllt